12.10.2009

Glücklich zu Hause

Hier sind und bleiben wir erstmal:


Nach nur einer Woche zurück in der Mannheimer Heimat haben wir uns schon wieder gut eingelebt mitten in der zentraleuropäischen Zivilisation und sind glücklich, Familie und Freunde gesund wieder in die Arme geschlossen zu haben. Unsere Reise hat uns faszinierende Erlebnisse, spannende Momente, wertvolle Begegnungen und unzählige neue Eindrücke beschert. Wir haben es geschafft, einen Plan und Reisetraum zu verwirklichen, uns unserer großen Reiselust hinzugeben, Hürden zu bewältigen und es so sehr genossen, diese Zeit miteinander verbracht zu haben. Die vergangenen Monate haben unser Leben bereichert und wir haben gelernt, das Wesentliche noch deutlicher wahrzunehmen und das Selbstverständliche neu schätzen gelernt.

Wir danken allen, die uns unterstützt haben (auch wenn es ihnen schwer gefallen ist, uns ziehen zu lassen), mit uns gereist sind, für uns gebetet und uns durch ihre guten Gedanken beschützt haben. Es wird der Tag kommen, an dem wir uns in ein neues Abenteuer stürzen und wir freuen uns darauf, auch wenn wir erstmal dankbar sind, gesund, glücklich und bereichert wieder angekommen zu sein.

Alles Liebe,
Eure MACE

Für Interessierte und Statistik-Freunde:

1. Zurückgelegte Kilometer und Streckenführung
- Insgesamt: 30.125 km (29.722 km ohne Fähre)
- Tagesdurchschnitt 241 km (30.125 km : 125 Tage)
- Anzahl der Pausentage (Auto nicht bewegt): 19
- Land mit den meisten gefahrenen Kilometern: Russland (10.153 km)
- Tag mit den meisten gefahrenen Kilometern: 20.06.2009 – 669 km, um Novosibirsk, Russland
- Tag mit den wenigsten gefahrenen Kilometern: 06.07.2009 – 16 km, Orchon-Tal, Mongolei
- Langweiligste 1.500 km: Westlich des Aralsees von Kasachstan nach Russland
- Kürzeste und billigste Fährüberfahrt: Insel Olchon, 15 Minuten, kostenlos
- Längste und teuerste Fährüberfahrt: Sochi/Trabzon, 12 Stunden, € 440
- Ereignisreichster Off Road Tag: mit Straubs in der Mongolei (Altai Tavan Bogd nach Ölgyi)
- Höchster Punkt: 3.270m Ana Bel Pass, Kirgistan
- Tiefster Punkt: -54m Gebiet Aralsee, Kasachstan

2. Bereiste Länder
- Länder insgesamt: 18 (Deutschland, Polen, Litauen, Lettland, Russland, Mongolei, Kasachstan, Usbekistan,
Kirgistan, Türkei, Griechenland, Albanien, Montenegro, Kroatien, Bosnien Herzigowina, Slowenien, Italien,
Österreich)
- Land mit geringster Einwohnerdichte: Mongolei 1,78 Einwohner/ km2
- Land mit höchster Einwohnerdichte: Deutschland 225 Einwohner/ km2

3. Übernachtungen
- Auf Campingplatz: 9
- Im Hotel: : 11
- Bei Freunden/ Familie: 11
- Wild gecampt : 94

4. Wetter
- 12 Regentage
- 113 Sonnentage

5. Grenzübertritte
- Anzahl insgesamt (mit Schengen): 18 (24)
- längster = nervigster = unverständlichster: Lettland/Russland, 10 Stunden
- Teuerster Grenzübergang: Russland/Mongolei (Straßenbenutzungsgebühr, Hundezertifikat, Diverses: ca. $30)
- Lustigster Grenzübertritt: Kasachstan/Kirgistan (Schreibtisch auf dem freien Feld als Grenzposten mit fröhlichen Grenzbeamten)

6. Pannen und Schäden
- 9 mal Reifen (Türkei: Doppelplatten)
- Abgebrochene Fensterkurbel Fahrerseite
- Abgebrochener Türgriff innen Fahrerseite
- Verlorene Verkleidung Frontscheinwerfer links
- Bremsbeläge verschlissen, ersetzt am Issyk Kul See (Kirgistan)
- Kraftstofffilter verstopft, erneuert am Weißen See (Mongolei)
- Klappdachbefestigungshaken abgerissen, geschweißt in Ölgyi (Mongolei), erneut abgebrochen in Türkei -> Spanngurt
- Zeltstoff eingerissen in Mongol Els (Mongolei) -> Panzerband
- Kühlschrank nach 14 Tagen ohne Funktion
- Steinschläge Frontscheibe: 3 (Russland)
- Luftfilter verstopft, erneuert im Altai (Russland)
- Anschlaggummis Vorderachse verschlissen (nach Mongolei)
- Stoßdämpfer hinten rechts gebrochen, geschweißt in Russland
- Stoßdämpfer hinten links fix und fertig

7. Verstöße gegen die StVO
- billigste: Kirgistan umgerechnet € 2,10 für 20 km/h zu schnell
- teuerste: Russland € 20 für Überfahren der doppelten Sperrlinie (nach einer Stunde Verhandlung)

8. Top 3 der schlaflosen Nächte
3. Olchon, Fischkutter mit laufendem Kühlaggregat
2. Lettland/Russland Grenzübertritt (bis 2 Uhr, dann Kompressor-Begleitmusik)
1. Sochi, Disco-Hafen

9. Top 5 der Campingküche
5. Rostbratwürstel mit Bratkartoffeln und Grünsalat (Griechenland – danke, Aldi)
4. Hirschragout mit Eierschwammerl und von schwäbischer Hand gehobelten Spätzle (Kasachstan)
3. Lammsteaks mit Polenta (Mongolei)
2. Pasta mit Selbstfangfisch, getrockneten Tomaten und Wildzwiebeln (Mongolei)
1. Hechtsteaks mit Tomatensalat, Nachtisch: Wild-Rhabarber Biskuit (Mongolei)

10. Fauna
Kühe, Schafe, Ziegen, Kamele, Dromedare, Yaks, Pferde, Esel, Schildkröten, Wüstenfuchs, Erdmännchen, Gänse, Schlange, Eidechsen, Raubvögel (Adler, Geier etc.), Wüstenspringmaus, Langohrigel, Dachs, Antilopen, Schweine, Gazellen, Frösche, Hunde, Katzen haben unseren Weg gequert; alle unverletzt

30.09.2009

Heimatgefühle

Das klare, warme septemberliche Mittelmeer, die Ruhe nach der Sommersaison, die schönen Küstendörfer und prächtigen Hafenstädte, die frischen Muscheln und die duftenden Pinienwälder - all diese Schätze Kroatiens konnten uns so nahe der Heimat nicht mehr halten und wir sind drei Tage früher als geplant nun in Salzburg angekommen. So groß das Fernweh und die Reiselust auch sein mögen, war es nun an der Zeit wieder heimzukehren, den österreichischen Teil unserer Familie in die Arme zu schließen und Vertrautes um uns zu haben.

Wir hatten zwei fantastische Tage im Deluxe Spa Relax Gourmet Ressort Ljubuski *****, wo wir von Familie Solin verwöhnt und vor allem auch verpflegt wurden. Wir sind noch ein paar Runden im Meer geschwommen, durch Dubrovnik und Split flaniert und haben uns schließlich noch eine Nacht in einem sehr schönen Agriturismo bei Udine gegönnt. Bereits in Italien fühlten wir uns heimatlich angekommen und nahmen uns schließlich die vorletzte Etappe bis Salzburg vor, wo wir überraschend früher als angekündigt, freudig aufgeregt und mit ordentlich eingesautem Auto ankamen. Jetzt fangen wir an, durch Erzählungen und Bilder Sortieren das Erlebte zu verarbeiten und freuen uns sehr, dass wir vor allem gesundheitlich sowie technisch keine Probleme hatten.

Unsere Reise werden wir erst mit der Ankunft in Mannheim abschließen und Euch von dort ein letztes Mal berichten, interessante Fakten bereitstellen und davon erzählen, wie uns unsere Reise geprägt hat. Wir freuen uns auf Euch alle.

Alles Liebe,
Eure MACE

Ein letztes Mal auf dieser Reise haben wir uns auf Feldwegen, Schotterpisten und Bergpfaden im albanischen Hinterland fortbewegt und haben wunderschöne Landschaften kennengelernt. Laut unserer Albanienkarte fuhren wir auf einer weißen Straße, die allerdings auf 1500 m Höhe leider in einem Steinbruch endete. Einer der Bauarbeiter sprach ziemlich gut Deutsch und erklärte uns, dass die eingezeichnete Straße schon seit 50 Jahren nicht mehr befahrbar sei. So fühlten wir uns an die mongolischen Pfade erinnert, nahmen eine weitere Schleife durch wilde Täler mit einzelnen Bergbauernhöfen und unzähligen Brombeerhecken in Kauf und kamen schließlich genau am sagenumwobenen, gelben Rettungsdienst-Landrover auf die eigentlich anvisierte Straße, der viele Reportagen von Allrad-Freunden schmückt. Die Fahrt durchs albanische Hinterland führte uns schließlich in einen Fjord, den wir mit einer Fährfahrt im Morgenlicht durchkreuzten - ein wunderbares Erlebnis. (An dieser Stelle vielen Dank für die vielen kostbaren Albanien Tipps der Straubs, auch die Übernachtung am Strand von Dhermi gehörte zu einer dieser schönen Erlebnisse.)

Abseits dieser aufregenden Berglandschaft und der schönen Südwestküste ist Albanien geprägt von unzähligen Bauruinen, abgelaufenen Autonummernschilder bevorzugt aus GB und Deutschland, Mercedes Sternen, schreiender Kommunikation und schnurlosem Lederschuhwerk. Ein Großteil der albanischen Bevölkerung arbeitet in Italien und so kann man sich recht gut auf Italienisch verständlich machen. Es war sehr interessant, diesen Teil Europas kennenzulernen und wir wurden herzlich empfangen.

Heute übernachteten wir in der Bucht von Kotor in Montenegro, einer uns unheimlich an Como erinnernden Umgebung mit einer schmalen Küstenstraße durch malerische Fischerdörfchen. Im Hochsommer geht es hier anscheinend weniger beschaulich zu, Ende September wirkt alles recht übersichtlich und entspannt.

Nach unserem ausgiebigen Frühstück fahren wir heute nach Kroatien, werden eine kurze Pause in Dubrovnik einlegen, und den Abend bei Familie Solin verbringen, wo wir uns verabredet haben.

Viele Grüße aus dem wunderschönen, Auf-jeden-Fall-eine-Reise wert-Montenegro und bis schon bald,

Eure MACE

Iassas! Die EU hat uns wieder!

Nach einem Grenzübertritt ohne Formulare, ohne Wartezeiten, ohne unverständliche Zurufe aus Blechhütten und auch ohne Kameraaufnahmen unserer Gesichter sind wir seit 4 Tagen in Griechenland. Was für ein Komfort. Wir haben uns hier am Mittelfinger von Chaldiki drei Tage Auszeit von der Welt genommen und sind in einer paradiesisch schönen, einsamen Bucht gelandet. Pinienduft, türkisblaues Wasser und Nürnberger Rostbratwürstel als Aldi-Willkommensmenü. Mit Sonnenbrand und Schwimmhäuten haben wir eben den Zeitungskiosk des Flughafens Thessaloniki leer geräumt, um unsere Informationsgier nach dreieinhalb zeitungslosen Monaten zu stillen. Es geht uns also sehr gut.

Weiter geht´s nun über Albanien nach Kroatien und wir haben kurzerhand entschlossen von Slowenien doch noch einen Schlenker nach Italien zu fahren, bevor uns die österreichische Heimat wieder bekommt. Wir halten Euch wie immer auf dem Laufenden.

Alles Liebe,
Eure MACE

Wie verabredet haben wir am 3. September unseren Mannheimer Freund Neset zusammen mit seiner Freundin Caro in Kayseri am Flughafen abgeholt. Nach einer Stärkung mit köstlichem Iskender-Kebap machten wir uns dann zu viert auf Nesets Heimat Kappadokien zu erkunden. Er reservierte uns Zimmer in einem kleinen Hotel in Göreme, dem Herzen der bizarren Tuffsteinlandschaft. Wir hatten sogar ein Zimmer in einem dieser Felsen.
Hier verbrachten wir einige entspannte Tage. Es hat sich angeboten von Göreme aus entweder zu Fuss oder im Rahmen kurzer Autofahrten die Umgebung kennenzulernen. Und natürlich wollten wir Nesets Familie in der Ortschaft Sofular treffen. Mutter Türkmen hatte für die nicht Ramadan haltenden Touristen ein wunderbares Mahl zubereitet und Nesets Cousin Gökhan beschenkte uns mit den prachtvollen Highlights seines Obst- und Gemüseanbaus. Und wir lernten, wie man richtig Sonnenblumenkerne öffnet und frische Walnüsse spaltet. Es war ein sehr schöner Abend.

Am nächsten Tag machten wir uns auf in Richtung Schwarzes Meer. Auf bestens ausgebauten, neuen Straßen gelangten wir an Ankara vorbei an die Küstenstraße, wo wir herrliche Übernachtungsplätze in den sehr wenig touristischen Buchten fanden. Leider zeigte sich, dass die Idylle des Campings direkt am Sandstrand bei entsprechender nächtlicher Brandung nicht immer zu einer gewünschten Schlaftiefe führen muß. Was aber nicht weiter tragisch war. Viel mehr störend ist die Art und Weise, wie Müll an den Stränden gezielt am Mülleimer vorbei geworfen wird oder die hässlichen Wohnblocks, welche zumeist illegal gebaut wurden und die sonst so schöne Küste verschandeln.

Grandios finden wir uneingeschränkt die Vegetation der Schwarzmeerküste, alle paar Kilometer muß man praktisch anhalten um entweder feinste Brombeeren oder extrem süße Feigen zu pflücken, welche dann während der Fahrt verspeist werden.

Heute sind wir in Akcakoca angekommen. Wir sitzen als einzige Gäste auf einem sehr schönen Terrassencampingplatz (natürlich unter Feigenbäumen) und werden bald die heute noch anstehende Aufgabe angehen, die Treppen zum Fischlokal hinunterzusteigen und uns karides güveci ( im Tontopf mit Tomaten und Käse überbackene Shrimps ) und frittierte Sardinen zu bestellen.

Nach all der Fahrerei mit mittlerweile 25.000 absolvierten Kilometern tut es gut die Beine hochzulegen und uns voll den kulinarischen Köstlichkeiten der Türkei zu widmen.

Alles Liebe,

Eure MACE

Unser Weg durch Ostanatolien führte uns von unserem Ausgangspunkt Trabzon nach Ani, direkt an der armenischen Grenze. Hier kann man die unterschiedlich gut erhaltenen Kirchen der ehemaligen Hauptstadt Armeniens besichtigen (zu Beginn des 11. Jhd. ca. 100.000 Einwohner). In steppenartiger Landschaft stehen auf nur kleiner Fläche Kirchenbauten neben einer Moschee, einem Sultanspalast und anderen kultischen Stätten. Ein sehr interessanter und schöner Ort, der allerdings auch die traurige Geschichte des vertriebenen armenischen Volkes widerspiegelt, verstärkt durch den Stacheldraht ohne offene Grenze, das die Türkei von seinem Nachbarn trennt.

Richtung Süden setzten wir unsere Reise über den Ishak Pascha Palast fort, der auf Ausläufern des heiligen Berges Ararat die Stadt Dogubayazit überblickt. Trotz eifriger Restaurierungsarbeiten konnten wir das Innere des imposanten Palastes mit seinen osmanischen, persischen, seldschukischen, armenischen und georgischen Einflüssen besichtigen. Wir freuen uns, dass der Besuch dieser kulturellen Stätte an der iranischen Grenze derzeit problemlos möglich ist, was uns der vorab Blick in die Veröffentlichungen des Auswärtigen Amtes bestätigte.

Vom heiligen Berg ging es weiter an den heiligen See, dem Van Gölü, dessen Fischlosigkeit durch einen besonders hohen Sulfatanteil des Wassers bedingt ist. Man kann in diesem See seine Wäsche ohne Waschpulver sauber bekommen, den Geruch fanden wir allerdings nicht besonders berauschend. Der Vansee diente uns als Ausgangspunkt für den auf über 2.000m ü.M gelegenen Nemrut Gölü. Der Krater, in dem der See liegt, ist bereits im 15. Jhd. erloschen und wird von schmelzendem Eis unter dem Felsen genährt. Neben diesem unterirdischen Eis gibt es dort auch bis zu 50 Grad heiße Quellen, in denen man ein warmes Bad nehmen kann. Wir gönnten uns an diesem Ort einen ausgiebigen selfmade Brunch mit Blick auf den See.

Als absolutes Highlight unserer Reise stellte sich der Besuch des Götterberges Nemrut Dagi heraus. Bereits die Anfahrt des darunter liegenden Dorfes Damlacik wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. Aus dem Osten kommend muss man einen Stausee mit Hilfe einer Fähre überwinden. Leider fuhr in dem Moment, an dem wir den Hafen erreichten eine Fähre und mussten so die nächste nehmen. Das Boot kam nach einer Stunde Wartezeit an, doch wir wurden erst nicht als Fahrgäste begrüßt, sondern zum Essen an Bord eingeladen. An Deck war ein Teppich ausgebreitet und für alle Reisenden Gemüseeintopf mit Lamm und Reis ausgegeben. Gewartet wurde bei untergehender Sonne nur noch auf den Ruf des Muezzins, der das Ende des Fastentages ankündigte (derzeit ist Ramadan). Schließlich kamen wir relativ spät zum gewünschten Campingplatz, wurden noch in die Geheimnisse der Herstellung einer Süßspeise aus Traubensaft eingeweiht und stellten unseren Wecker auf 3:30 Uhr. Wir wollten die berühmten Skulpturen des kommagenen Götterberges von Antiochos I. bei Sonnenaufgang sehen und fuhren bei klarem Sternenhimmel um 4 Uhr morgens los. Der genannte König der Kommagene (1. Jhd. v. Chr.) ließ sich während seiner Herrschaft ein gigantisches Grabdenkmal errichten, das vorerst die Abtragung der Bergspitze um geschätzte 200.000 m3 Stein erforderte. Wie diese Stätte rund um den aufgeschütteten Grabhügel aussieht, zeigen am besten unsere Bilder. Es war ein großartiges Erlebnis, das weder durch den Schlafmangel, noch durch den sehr steilen Anfahrtsweg oder den kalten Wind getrübt werden konnte.

Nach diesen ereignisreichen Tagen tief im Osten der Türkei sind wir heute auf dem Weg zum Flughafen von Kayseri, um dort unseren Freund Neset zu treffen, der uns seine Heimat Kappadokien näher bringen wird. Darauf und auf weitere (kulinarische) Begegnungen auf Türkisch freuen wir uns schon sehr. Somit wir hier auch endlich sehr freundlich von der Exekutive willkommen geheißen wurden und als Einstandsgeschenk eine Straßenkarte erhielten. Tessekürler.

Alles Liebe,
Eure MACE

Die Devise nach dem Verlassen von Usbekistan lautete: Kilometer schrubben. Der Weg über Kasachstan, westlich der Reste des Aralsees durch die Salzwüste brachte ebenso wenig Abwechslung („Schau, ein Baum!“) wie die Fahrt durch den Südwesten Russlands am Mündungsgebiet der Wolga ins Schwarze Meer. Nach einer anstrengenden Tagesetappe entlang der kurvenreichen Küstenstraße erreichten wir schließlich Sochi.

Der Charme der zukünftigen Olympiastadt konnte uns mit seiner betonierten Strandpromenade und dem Cluburlaub-Flair wenig überzeugen. Unser Ziel war es, so schnell wie möglich eine Fähre in die Türkei zu bekommen. Wieder einmal trotzten wir den in Reiseführern und Erfahrungsberichten angekündigten Schwierigkeiten und fanden auf Anhieb die Anlegestelle des gewünschten Schiffes und das zugehörige Ticketbüro, so dass wir nach einer Stunde die notwendigen Formalitäten für die Überfahrt am Morgen des 28.08. erledigt hatten. Als Übernachtungsort wählten wir wie andere Wartende auch den Parkplatz direkt am noblen Hafengebäude und der daran anschließenden Flaniermeile mit edlen Bars und schicken Boutiquen. Keine gute Idee. Um 22 Uhr öffnete die Open Air Großdiskothek ihre Pforten und somit auch ihre Mischpultregler. „Das wird schon nicht so lange gehen…“ Auch falsch. Bis 4:30 jagten die Bässe durch die Boxen, was nur noch durch einen Tuning-Freund getopt wurde, der um 2:30 neben uns parkte und seine Trauer über den Tod Michael Jacksons mit Dezibel gegen unendlich zum Ausdruck brachte. Unser Schlaf wurde somit auf die 12 Stunden Fährüberfahrt verlegt.

Problemlos verbrachten wir die Fahrt an Deck unseres Luxus-Kreuzers von 1965, zusammen mit zwei sympathischen polnischen Reiseradlern, einem Schweizer Geschäftsmann und etlichen türkischen und armenischen LkW-Fahrern. Medis vorbildliches Verhalten wurde mit feinstem Schinken von einem türkischen Hundefreund belohnt, und wir verbrachten die Zeit mit Schlaf und Vorbereitungen für den türkischen Abschnitt unserer Reise. Um 22:00 liefen wir schließlich im Hafen von Trabzon ein, erledigten die Zollformalitäten und gingen mit der Vorfreude auf den schon letzten Reisemonat ins Bett.

Heute befinden wir uns in Nordostanatolien auf dem Weg Richtung armenische Grenze. In den Wäldern im Hinterland der Schwarzmeerküste (auf ca. 2000m ü.M.) brachten wir eine ertragreiche Schwarzbeeren-Ernte ein und fanden ein paar Steinpilze. Mitten in dieser Alpenlandschaft war es für uns sehr exotisch, die kleinen Bergdörfer mit ihren Moscheen, Minaretten und Tee trinkenden alten Herren zu durchfahren. Doch nicht die Alpen, auch wenn wir den Tag in Pinzgauer Manier mit köstlichen Schwarzbeernocken als Abendmahl beschlossen. Über den Van See werden wir unsere Reise fortsetzen, um am 03.09. unseren Freund Neset in Kappadokien zu treffen. Auch wenn wir nun schon so viel erlebt haben in den letzten Monaten, dürfen wir noch viele Tage durch den Süden Europas genießen, auf die wir uns spätsommerlich sehr freuen.

Alles Liebe,
allaha ismarladik,
Eure MACE

Nun lassen wir sie so langsam hinter uns, die Große Seidenstrasse, mit ihrem unvergleichlichem Charme, den prachtvollen Bauten mit türkisfarbenen Kuppeln und mosaikgefliesten Fassaden, den Bazaren, auf denen um Kunsthandwerk gefeilscht wird und den herzlichen Menschen, die einem während der Fahrt auf der Landstrasse eine Melone durchs Seitenfenster als Geschenk überreichen.

Ein unvergesslicher Teil unserer Reise, mit den Städten Samarkand, Buchara und Chiwa. Alle unterschiedlich, alle besonders reizvoll. Samarkand erscheint nicht so kompakt, hat aber unheimlich viel Vitalität. Und gewaltig schöne Bauwerke, zum Beispiel dem Registan, dem Hauptplatz mit drei jeweils neunzig Grad zueinander gebauten Medresen. Oder einer atemberaubend schönen Gräberstadt, in der man mittelalterliche Mausoleen in perfekt restauriertem Zustand bewundern darf. Außerdem wird zur Zeit über all restauriert, verschönert und begrünt. Von einer sicheren Quelle durften wir erfahren, dies hinge damit zusammen, dass der Südkoreanische Präsident bei einem Staatsbesuch in Samarkand erwähnt haben soll, dass ihm die Straßenzüge zwischen den Sehenswürdigkeiten nicht gefielen.

Im Vergleich dazu drängt sich quasi in Buchara ein mittelalterliches Gebäude neben das nächste. Es wimmelt geradezu vor Touristen. ( Natürlich nichts gegen Venedig, Salzburg oder Heidelberg, aber wenn man aus einer derartigen Einsamkeit anreist, aus der wir kamen, ist das schon viel am Anfang). Und es gibt daher auch ein großes Angebot an Schaschlikgrill-Restaurants, kleinen und großen Hotels und Kindern, die einen ansprechen um „Hotelempfehlungen“ zum Ausdruck zu bringen: „ Please come – Hotel Soundso, very good, very cheap“. Aber dieser Trubel führt auch dazu, dass sich Buchara darauf spezialisiert hat, richtig gutes Kunsthandwerk an die Touristen zu verkaufen. So findet man in der Altstadt zahlreiche Ateliers von Malern, Seidenteppichstickerein, Töpfern oder Veredlern von Messingware.

Als dritte Stadt, die man in Usbekistan bereisen sollte, stellt sich Chiwa als die authentischste dar. Sie wirkt etwas verschlafen hinter ihren dicken Stadtmauern, wo man den Ausdruck Museumsstadt wirklich zu recht benutzen darf. Der Ort hat eine unheimlich beruhigende Atmosphäre. Die vielen Medresen, Minarette und Karawansereien lassen sich in ein paar Stunden besichtigen und dann darf man sich entspannt zurücklehnen, die usbekische Küche kosten, Tee trinken und geniessen.

In allen Städten hatten wir uns in kleinen Hotels einbebucht. Entgegen unserer Vermutungen gab es dabei keinerlei Problem, dass wir mit Hund reisten. Überhaupt haben die Menschen Leila sehr positiv aufgenommen, und der Streichelmarathon der usbekischen Kinder ist ihr gut bekommen.

Schwierig hingegen war die Devisenbeschaffung, denn wie wir von Asis, einem Reiseführer, der perfekt Deutsch spricht, erfahren konnten, haben es die Usbeken nicht so mit Plastikgeld. Es gibt eigentlich im ganzen Land nur geschätzte drei Geldautomaten, die jedoch nur zu Geschäftszeiten funktionieren, also auch nicht am Wochenende. Und wenn die Bank geöffnet ist, dann heißt das nicht gleichzeitig, dass man auch Geld bekommt. Hat man Erfolg, muss man erst fünf Formulare unterschreiben, einen kleinen Aufsatz auf der Rückseite formulieren, dass man das Geld auch wirklich erhalten hat, und nur noch ein paar Kopien von Pass und Kreditkarte und schon gibt es Dollars, welche man dann in Landeswährung tauschen muss. Bitte unbedingt genügend Taschen mitbringen, damit man dann die Bündel unterbringt (1000 SOM=größter Geldschein=45 Eurocent).
Aber wir wollen uns nicht beschweren, schließlich gelang es uns alle Rechnungen zu begleichen , jedes Mal den Tank gefüllt zu bekommen und verhungert sind wir auch nicht.

Mit den Usbeken hatten wir eigentlich nur nette Kontakte, sogar wenn sie eine Uniform tragen. Groß war das Interesse, aus welchem Land wir kommen und wie wir leben. Und wo denn genau in Deutschland wir wohnen würden, wobei wir uns bei der Antwort auf eine Fußball-Assoziation spezialisiert haben. Interessanterweise können die Bundesliga-begeisterten-Usbeken nämlich mit Hoffenheim mehr anfangen, als mit Mannheim oder Frankfurt am Main.

Es gäbe noch so viel zu berichten, zum Beispiel, dass wir auf Englisch ein Interview gegeben haben für einen usbekischen Regionalsender anlässlich des Melonenfestes, aber wir heben uns auch ein paar Geschichten auf, die wir euch zu Hause erzählen werden.

Alles Liebe,
Eure MACE

21.08.2009

Neue Bilder!

Wir haben neue Fotos fuer Euch eingestellt - zu finden unter August: “Kirgistan” und “Willkommensfeier in Usbekistan”

Mit liebsten Gruessen aus Buchara,
Eure MACE

Erstmal für all jene, die ob unserer mongolischen Mangelernährung schon besorgt waren: Die Obst- und Gemüsebauern Kasachstans und Kirgistans haben es geschafft, unsere Vitamspeicher wieder voll aufzuladen. Entlang der Straße werden die frischesten Naturprodukte direkt vom Feld für Spottpreise angeboten – je nach Landstrich Melonen, Marillen, Trauben, Nüsse, Tomaten, Auberginen etc. Ein Schlaraffenland für Freunde der Fleischlosigkeit.

Da wir mehr Zeit als ursprünglich geplant in Almaty verbracht haben, mussten wir wohl oder übel unseren Aufenthalt in Kirgistan einschrumpfen. Schade, denn das Land der „irrsinnig liaben Leit“ hat großartige Landschaften zu bieten. Zumindest durch unsere Ost-West Routenwahl konnten wir viele Eindrücke gewinnen und möchten jedem, der daran interessiert ist, Zentralasien zu besuchen, Kirgistan unbedingt empfehlen. Vom Issyk Kul See entlang der Schnee bedeckten Gipfel bis in den Osten des Fergana Beckens waren wir also bereits nach vier Tagen in der Stadt Osh an der usbekischen Grenze angelangt. Hier haben wir auch den mit 3.175m ü.M. höchsten Punkt unserer Reise erreicht, den wir ganz feierlich mit den T-Shirts © SFO begingen. Auch in dieser kurzen Zeit sind uns Menschen begegnet, die wir bestimmt noch lange in Erinnerung behalten werden. Zum Beispiel ein Bäcker, der Andreas beim Kauf eines Brotes vor Freude mehrfach umarmte. Oder die uigurische Wirtin eines Straßenlokals, die uns auf das leckere Essen inklusive Tee einlud, weil sie stolz war, dass wir ihre Gäste waren. Oder Hussein, der uns in sein Haus einladen wollte, als wir an seinem Gartenschlauch unseren Wassertank auffüllen durften. Den berühmten Basar von Osh wollten wir vor unserer Weiterfahrt nach Usbekistan auf keinen Fall verpassen und so wuselten wir durch die Gassen, fasziniert vom hier beginnenden orientalischen Flair der Großen Seidenstraße.

Vollkommen unkompliziert gestaltete sich der Grenzübertritt nach Usbekistan und so waren wir schon am frühen Nachmittag des 14.08. in einem wieder neuen Land. Auf der Suche nach einem Picknick-Platz versuchten wir unser Glück an einem Wasserkanal, der sich als Badeparadies der hiesigen Anwohner herausstellte. In der Hoffnung auf ein ruhiges Plätzchen, wo wir auch die Nacht verbringen könnten, landeten wir dann schließlich auf einer kleinen Kiesbank, wo wir natürlich nicht unentdeckt blieben. Der Reisbauer Tadschidin gesellte sich zu uns, bat uns, Bilder von sich und den immer mehr werdenden badenden Jungs zu machen und lud uns schließlich auf einen Tee zu sich ein. Sein Hof lag genau auf der gegenüberliegenden Seite und wir nahmen auf der in Zentralasien üblichen Sitzgelegenheit, einem Bettgestell mit Teppichen und Kissen, mitten im Reisfeld Platz. Aus dem Tee wurde schließlich „Osch“, ein usbekisches Nationalgericht, das Sohn Ibrahim zusammen mit seinem Vater für uns ausrichtete. Selbstverständlich wurden dazu Produkte aus eigener Herstellung verwendet. Es gesellten sich auch noch weitere Freunde des Gastgebers zu uns, die sehr interessiert an unserem Herkunftsland waren (was wird angebaut, was gejagt, was gegessen?). Glücklich über die spontane Einladung zu einem wunderbaren Essen, wollten wir uns schon in den auf dem Grundstück geparkten Puchi aufmachen, doch die usbekische Delegation hatte anderes mit uns vor. Auf zum Teich, wo Shakir bereits dabei war, ein paar Fische für ein weiteres Mahl für uns zu angeln. So nahm dieser erste Tag in Usbekistan irgendwann doch ein Ende, nach vielen Stunden voller interessanter und lustiger Gespräche auf Russisch-Activity und kulinarischer Köstlichkeiten aus dem Fergana-Tal. Das Frühstück durften wir dann ausrichten, wobei der italienische Espresso bei Ibrahim und Shakir nun als „Teufelszeug aus Deutschland“ in Erinnerung bleiben wird. Nach einem Besuch beim Nachbarn, dem Zwetschkenbauern und 2kg frisch gepflückten Früchten setzten wir unsere Reise Richtung Tashkent fort.

Im Fergana-Tal werden alle nur erdenklichen Früchte angebaut, es gibt hier alleine über 1.000 Melonensorten. Dies ist bei der extremen Hitze über die Sommermonate nur durch ein ausgefeiltes Bewässerungssystem über Kanäle, die die Felder direkt versorgen, möglich. Vorgestern hatte es hier 40 Grad im Schatten, was uns ohne Klimaanlage und fehlendem Schatten auf der Straße doch zu schaffen machte. Nach Überquerung des 2.300 m ü.M. Kamtschik-Passes legten wir erstmal einen Pausentag im schattigen Flusstal ein, um ausgeruht die Fahrt in die Hauptstadt anzutreten. Die Erledigungstour in Tashkent gestaltete sich dann weitaus unkomplizierter als befürchtet, da wir nach mehrfachen erfolglosen Versuchen, Geld am Bankomaten abzuheben, einen Guide an unsere Seite gestellt bekamen. Ein kurzer Anruf des Bankbeamten und nach 10 Minuten kam Shakir II angefahren, der uns erst zur Nationalbank und dann noch zum Supermarkt fuhr. Wir fragten, ob das für seinen Vorgesetzten kein Problem wäre, wenn er mitten am Arbeitstag einfach wegbliebe, daraufhin antwortete er: „No problem, I´m the boss.“. Der Vater unseres Begleitservices war schon oft in Deutschland und so begeistert davon, dass es ihm eine Ehre wäre, uns zu helfen. Er hinterließ dann noch seine Telefonnummer, falls wir im Laufe unseres Usbekistan-Aufenthalts Hilfe bräuchten. Schön langsam hören wir auf, uns über dieses großzügige Entgegenkommen zu wundern – eine Freude ist es aber jedes Mal wieder.

Heute haben wir unser Bett nicht im Reisfeld, sondern zwischen Melonen und Mais aufgeschlagen und freuen uns auf unsere morgige Ankunft in Samarkand und den märchenhaften Bauten aus 1.001 Nacht.

Alles Liebe in die immer näher rückende Heimat,
Eure MACE

PS: Bilder gibt es in den kommenden Tagen - das einzige noch geoeffnete Internetcafe sperrt jetzt zu. Bis bald!

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